Obwohl die Eulachhalle mit 1800 Zuschauern gut gefüllt war, kam nie wirklich Stimmung auf. Die Norwegen starteten stark und liessen von Beginn an keine Zweifel über den Ausgang der Partie aufkommen. Die Schweizer traten viel zu verhalten auf und wurden förmlich überrannt. "Wir haben viel zu viel Respekt gezeigt", sagte Goran Perkovac. Sein Team tat sich in der Startphase tatsächlich unheimlich schwer und fand gegen die massive norwegische Deckung kein Mittel. Der Schweizer Nationaltrainer reagierte und wechselte schon früh die komplette Aufbaureihe durch – ohne dass sich aber vorerst eine Besserung eingestellt hätte.
Die Norweger bauten das Skore kontinuierlich aus und führten nach 21 Minuten bereits mit 11:6. Einzig David Graubner, der mit sechs Treffern bester SHV-Torschütze war, stemmte sich in dieser Phase gegen die drohende Kanterniederlage. Auch er konnte aber nicht verhindern, dass die Skandinavier noch vor der Pause auf 17:10 erhöhten und damit die Entscheidung schafften. Den letzten beiden norwegischen Treffern, die beide in der letzten Minute fielen, waren zwei unnötige Fehler der Schweizer vorausgegangen – es war irgendwie symptomatisch für den Auftritt der SHV-Auswahl in den ersten 30 Minuten.
In der zweiten Halbzeit bekamen die Fans in der Eulachhalle eine komplett andere Partie zu sehen. Die Schweizer traten nun ohne Druck auf und spielten phasenweise richtig schönen Handball. "Als das Spiel entschieden war, haben wir gezeigt, dass wir auf diesem Niveau mithalten können. Aber das ist natürlich viel zu spät", sagte Goran Perkovac, der seiner zweiten Garde erneut viel Spielzeit gewährte und ihnen ein positives Zeugnis ausstellen durfte. "Die jungen Spieler haben ihre Sache erneut sehr gut gemacht. Sie haben gekämpft und das gebracht, wozu sie fähig sind. Nur leider war die Stammsechs zu Beginn nicht fähig, den Norwegern etwas entgegenzusetzen." Das belegt auch die Statistik: Andy Schmid und Marko Vukelic, die gestern eine überragende Leistung zeigten, erzielten ihre ersten Treffer erst in der zweiten Halbzeit – zusammen produzierten sie bis zur Pause aber gleich elf Ballverluste.
Er sei sehr enttäuscht mit dem Auftritt seines Teams, sagte Goran Perkovac. "Wir dürfen gegen Norwegen verlieren. Aber nicht so. Vor allem, weil wir in der zweiten Halbzeit ja gezeigt haben, was eigentlich möglich wäre." Weil beide Teams nach der Pause nicht mehr mit der letzten Konsequenz verteidigte, entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den die Schweizer lediglich mit 18:19 verloren. Erfreulich war dabei, dass sich auf Seite der SHV-Auswahl die jungen Akteure gut in Szene setzten konnten. Florian Goepfert (3), Ruben Schelbert (2), Alen Milosevic (2) oder auch Thomas Stalder (1) trugen sich allesamt in die Torschützenliste ein.
Am Sonntag trifft die Schweiz zum Abschluss des Turniers im eigentlichen Spiel um Platz zwei auf Slowenien. Anpfiff in der Eulachhalle ist um 15.30 Uhr.
Schweiz – Norwegen 28:36 (10:17) Eulachhalle – 1800 Zuschauer – Sr. Al-Marzouqi/Al-Nuaimi (VAE). Torfolge: 0:2, 1:2, 1:3, 2:3, 2:5, 3:6, 3:8, 4:8, 4:9, 6:9, 6:11, 7:11, 7:12, 8:15, 10:15, 10:17; 11:19, 12:20, 13:21, 15:21, 15:25, 16:25, 16:27, 17:27, 18:27, 18:28, 20:28, 20:29, 21:29, 21:30, 22:30, 24:30, 24:31, 25:31, 25:32, 26:33, 26:34, 27:36, 28:36. Strafen: 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2mal 2 Minuten gegen Norwegen. Schweiz: Quadrelli/Stauber (31. bis 40.); Schmid (2/1), Liniger (4), Graubner (6), Scheuner, Milosevic (2), Vukelic (3), Svajlen, Parolo (3), Bächtold (2), Buri, Goepfert (3), Pendic, Ruben Schelbert (2), Stalder (1). Norwegen: Ege/Erevik (ab 42.); Björnsen (3), Myrhol (5), Lund (1), Tvedten (5/ 1), Mamelund (5/2), Rambo (5), Kjelling (7), Skoglund (1), Koren (2), Paulsen, Samdahl (1), Tangen (1). Bemerkungen: Schweiz ohne Ursic, Kurth, Fellmann (alle verletzt), Norwegen ohne Löke (geschont). Timeouts: Schweiz (15./3:8, 38./15:24), Norwegen (51./23:30). Ege hält Penalty von Liniger (26./8:14). |